Wie verbindest Du Kreativität und Soziales, Graziella Cisternino?
- Anastasia

- 30. Nov. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Graziella Cisternino ist diplomierte Sozial- und Theaterpädagogin mit langjähriger Erfahrung in der Begleitung junger Menschen. So begleitet sie Jugendliche und junge Erwachsene in unterschiedlichsten Kontexten. Ihre Arbeitsweise ist systemisch, ressourcenorientiert und ganzheitlich. Sie verbindet dabei sozialpädagogische Methoden mit Elementen aus der Schauspielerei und entwickelt so kreative, körperorientierte Übungen, die neue Erfahrungsräume eröffnen. Ebenso leitet sie Theaterproduktionen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Ausdruck und Selbstwirksamkeit fördern. Für Privatpersonen bietet Cisternino Workshops und Coachings zu Auftrittskompetenz, Theaterarbeit, biografischem Schreiben und persönlicher Entwicklung an.
Wie würdest Du Dich selbst in drei Worten beschreiben?
Kreativ. Empathisch. Wegbereitend.
Du hast Dich mit "AUSO! Auftritt & Soziales" selbständig gemacht und bist Co-Gründerin des Vereins "Nautilus - Coworking Space für Bewegung und Kultur". Wie bist Du zu diesen Projekten gekommen?
Als ich während des Corona-Pandemie den Verein "Zeitwerk Theater" auflösen musste, entstand eine unerwartete Pause - und zugleich ein kreativer Raum. Ich hatte über Jahre erlebt, wie stark sich Menschen durch die Teilnahme an Theaterprojekten entwickeln. Diese Erfahrung wollte ich weitergeben, auch ohne Vereinsstruktur. Da ich niemanden für einen Vorstand fand, gründete ich eine Einzelfirma: "AUSO! Auftritt & Soziales". So konnte ich meine sozial- und theaterpädagogische Arbeit professionell und flexibel weiterführen.
Mein Wunsch, wieder einen eigenen Raum zu haben, blieb über die Zeit lebendig. In Bern war das kaum umsetzbar – also kehrte ich zurück in meine Geburtsstadt Thun. Dort begegnete ich zufällig Karin Schwarz, mit der ich vor rund 25 Jahren im Dienstleistungsbereich gearbeitet hatte. Auch sie war längst auf einem anderen beruflichen Weg und suchte einen Ort für ihre Praxis und Gruppenangebote.
Aus dieser Begegnung wuchs etwas Größeres: die gemeinsame Vision eines Raumes, der Gesundheit, Soziales und Kultur miteinander verbindet. Mit unseren unterschiedlichen beruflichen Hintergründen entstand eine besondere Mischung an Angeboten – wie man sie selten an einem einzigen Ort findet. Ein Raum, der bewegt: körperlich, geistig und gesellschaftlich.
Nach fast zwei Jahren intensiver Suche fanden wir im Bälliz 25 einen Raum, der all das möglich macht. Karin bringt ihre Expertise als TCM-Therapeutin, in Qigong, Taiji und Cantienica ein – ich meine Erfahrung in Beratung, Coaching und Theater. Gemeinsam gründeten wir den Verein Nautilus – Coworking Space für Bewegung und Kultur. Ein Ort, der nicht nur tagsüber belebt sein soll, sondern, in unserer Vision, auch abends kulturelle Angebote ermöglicht.
In unseren Räumlichkeiten bieten zwei weitere Mieterinnen Yoga und Taiji an – eine schöne Ergänzung zu unserem ganzheitlichen Ansatz. Wir würden gerne noch einen weiteren Raumblock vermieten: zum einen, um finanziell stabil zu bleiben, zum anderen, weil wir das Arbeiten im Kollektiv lieben und leben.
Der Gruppenraum wird am Wochenende punktuell vermietet. Es ist schön zu sehen, wie sich der Ort mit jeder Nutzung weiterentwickelt.
Noch sind wir im Aufbau – aber wir möchten Raum geben für Kultur, Austausch und neue Ideen. Ob Lesung, Slam oder Diskussion: Wer etwas teilen oder anstossen will, findet bei uns im Nautilus Gehör.
Magst Du noch mehr über die einzelnen Projekte erzählen?
Seit der Eröffnung des "Nautilus – Coworking Space für Bewegung und Kultur" begleite ich dort junge Menschen im Rahmen eines Auftrags des "BIZ CMBB Thun". Der Raum ist für mich mehr als nur ein Ort – er ist ein Möglichkeitsraum. Hier coache und trainiere ich Jugendliche und junge Erwachsene direkt vor Ort mit einer Kombination aus sozialpädagogischen Methoden und theaterpädagogischen Übungen. Im Zentrum steht dabei der Aufbau von Vertrauen, Ausdruck und Selbstwirksamkeit.
Parallel dazu baue ich Angebote für Privatpersonen auf – rund um Auftrittskompetenz, Theater, Schreibwerkstatt und Biografiearbeit.
Und ja – ich träume davon, wieder ein Theaterstück zu produzieren. Mit neurodivergenten jungen Menschen. Die Planung braucht Zeit, die Umsetzung noch mehr. Aber die Vision lebt: ein Stück, das mit jungen Menschen entsteht, das bewegt und berührt.
Wie verbindest Du in Deinen Projekte Kreativität und Soziales?
In meiner Arbeit ist Kreativität kein Beiwerk – sie ist Herzstück. Ich verbinde sozialpädagogische Methoden mit Theater, Körperarbeit und biografischen Impulsen. So entstehen Räume, in denen junge Menschen sich ausdrücken, erleben und entwickeln können.
Sobald zwei Menschen miteinander in Beziehung treten, entsteht etwas Soziales. Und sobald dabei Kreativität ins Spiel kommt, wird Entwicklung möglich – echt, bewegend und nachhaltig.
Denn Kreativität ist in uns allen angelegt. Sie braucht nur Raum, Vertrauen und die Einladung, sich zu zeigen.
Theaterprojekte selbst sind gelebte Kreativität. Jede Probe, jede Szene, jede Improvisation ist ein schöpferischer Akt. Und weil Theater immer im Miteinander entsteht, ist es zugleich zutiefst sozial.
Wo Menschen gemeinsam gestalten, zuhören, reagieren und sich zeigen, entsteht Beziehung. Gruppenprozesse sind soziale Prozesse – und Theater macht sie sichtbar, spürbar und transformierbar.
Was bedeutet Deine Arbeit für Dich?
Arbeit ist für mich ein schöpferischer Akt. Ich liebe es, wenn aus einer Idee ein Impuls wird, aus einem Impuls ein Prozess – und daraus ein Moment, in dem etwas Neues entsteht.
Wenn Menschen in ihre Stärke kommen, wenn sie sich zeigen, sich ausdrücken, sich selbst überraschen – dann erfüllt mich das zutiefst.
Arbeit bedeutet für mich, Räume zu öffnen: für Entwicklung, für Begegnung, für das, was möglich wird, wenn Kreativität und Beziehung sich verbinden.
Was möchtest Du den Menschen da draussen noch mitgeben?
Wenn ihr eine Vision habt, einen Traum, eine Idee – dann lebt sie. Geht dem nach. Gebt nicht auf, auch wenn der Weg unklar scheint.
Kreativität braucht Raum, Mut und manchmal jemanden, der sagt: Du darfst. Du kannst.
Getraut euch! Und wenn ihr nicht weiterwisst – kommt zu mir 😉


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