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Geschichten aus der Medizin - Numerus Clausus

  • Autorenbild: Anastasia
    Anastasia
  • 16. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Als Medizinerin erlebe ich in Ausbildung und Alltag Momente ganz unterschiedlicher Qualitäten. Unter dem Titel «Geschichten aus der Medizin» möchte ich euch deshalb immer wieder in einige dieser Momente mitnehmen. Heute erzähle ich euch, wie ich den Numerus Clausus, den Eintrittstest zum Medizinstudium, erlebt habe.


Tausende junge Menschen

Im Radio erzählt der Sprecher in den Nachrichten, wie viele tausend junge Menschen an diesem Tag zum Numerus Clausus, der Eintrittsprüfung zum Studium der Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin, antreten. Nur ungefähr ein Drittel dieser jungen Menschen, die mit den besten Resultaten, werden zu ihrem Wunschstudium zugelassen werden. Ich steige aus dem Auto und atme tief durch. Heute bin ich einer dieser jungen Menschen, die sich diesem Test stellen werden, denn ich will Medizin studieren. Ich weiss, dass die Chancen gut stehen, dass ich genügend Punkte machen werde. Die Erfahrung aus der Schule lehrt mich, dass ich oft besser abschneide als viele andere Schüler. Allerdings habe ich einen solchen Test, der eher einem IQ-Test als einer normalen schulischen Prüfung gleicht, noch nie absolvieren müssen. Zudem geht es hier um viel – es geht darum, ob ich mein Wunschstudienfach studieren kann oder eben nicht. Der Druck ist also gigantisch.


In der Mehrzweckhalle

Aufgeregt suche ich den Eingang zu der grossen Mehrzweckhalle, in der ich zum Test aufgeboten bin. Der Test wird an mehreren Orten in der Schweiz gleichzeitig durchgeführt und ich bin froh darüber, denn schon in dieser Mehrzweckhalle sind viele junge Menschen. Konkurrentinnen und Konkurrenten, mit denen ich um einen Studienplatz kämpfen muss. Ich finde meinen Platz mit der entsprechenden Nummer, auf dem ein Testheft, ein Antwortbogen, ein Bleistift und ein Gummi liegen. Anfassen darf ich davon noch nichts, das ist mir klar. Denn verstosse ich gegen die Regeln und sehe mir das Testheft vor Prüfungsbeginn an, ist der Test für mich gelaufen.

Ich setze mich also hin und warte. Schliesslich kommt um kurz vor acht Uhr ein Mann mit einem Mikrofon auf die Tribüne, die vorne in der Mehrzweckhalle aufgebaut ist. Er begrüsst uns und wiederholt den Ablauf des Tests. Für jede Art von Aufgaben ist eine bestimmte Zeit festgelegt. Wer nicht alle Aufgaben schafft, dem wird geraten, die übrigen Lösungen zu raten, denn es werden für falsche Lösungen keine Punkte abgezogen. Der Testleiter werde jeweils die Halbzeit und das Ende der Zeit ansagen. Beim «Stopp» zum Ende müssten wir alle unsere Stifte fallen lassen. Ich werde langsam ungeduldig. Schliesslich habe ich mich mit dem Ablauf und den Regeln des Tests bereits in der Vorbereitung vertraut gemacht. Aber es bereiten sich bekanntlich nicht alle auf den Test vor und ausserdem wären die Resultate wohl anfechtbar, wenn davon ausgegangen würde, dass die Regeln bekannt seien.


Der Numerus Clausus

Dann, endlich, beginnt der Test. Um Punkt acht Uhr morgens. Es ist der Beginn eines sehr anstrengenden Tages zwischen voller Konzentration, Zeitnot und kurzen Schreckmomenten, wenn das «Stopp» aus dem Mikrofon des Testleiters ertönt. Ich gebe mein Bestes, allerdings werde auch ich an gewissen Stellen nicht fertig mit den Aufgaben. Ich weiss, dass der Test so konzipiert ist, dass das allen so geht, und versuche daher, mich davon nicht zu sehr verunsichern zu lassen. Trotzdem fällt es mir schwer, bei der Konzentration zu bleiben. Der Test ist lang und anstrengend. Das würde ich kein zweites Mal machen wollen, denke ich bei mir. In der Mittagspause hatte ich zwei junge Frauen gehört, die sich darüber ausgetauscht hatten, wie oft sie den Test schon versucht hatten. Eine davon schrieb den Test anscheinend bereits zum vierten Mal. Ich nehme mir vor, dass ich das nicht tun werde. Sollte es beim zweiten Mal nicht klappen, würde ich eine andere Studienrichtung wählen. Doch erstmal gilt es, den Test zu beenden. Mit rauchenden Köpfen wühlen wir uns durch Aufgaben von Leseverstehen über Würfeldrehen und Faktenmerken bis hin zu Mustererkennen. Je weiter der Tag fortschreitet, desto länger ziehen sich die Zeitintervalle für die Aufgaben gefühlt in die Länge. Weiterhin gebe ich alles, um so gut wie möglich dabei zu bleiben und die Aufgaben zu lösen. Ich will Medizin studieren, sage ich mir, und das wird auch hart werden. Trotzdem bin ich dankbar, als der Test vorbei ist. Nach Möglichkeit möchte ich keinen weiteren solchen Tag erleben müssen. Es war anstrengend und ich bin dankbar, ist erstmal alles vorbei – die Schule, die Vorbereitungen und der Numerus Clausus. Bis ich die Resultate erhalte, kann ich nun also in Ruhe meine Ferien geniessen.


Eine Zeigeruhr mit weissem Ziffernblatt und schwarzen Zahlen auf einem holzigen Hintergrund
Der Numerus Clausus besteht aus einem Tag voller Testaufgaben unter Zeitdruck

Wer von euch hat den Test auch gemacht oder bereits etwas Ähnliches erlebt? Erzählt mir gerne davon in den Kommentaren!

 
 
 

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