Wenn Worte heilen - Kreatives Schreiben als Selbstfürsorge
- Anastasia

- vor 4 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Zeiten im Leben, in denen alles zu viel wird. Gedanken kreisen unaufhörlich, Gefühle stauen sich an, und das Innere scheint lauter zu sein als alles andere. In solchen Momenten habe ich immer wieder erfahren, dass Worte heilen können.
Kreatives Schreiben als Zufluchtsort
Das Schreiben hat mir bereits durch viele schwere Zeiten geholfen. Es war ein stiller Raum, den ich jederzeit betreten konnte – unabhängig davon, wie chaotisch es um mich herum war. Während im Außen vielleicht alles ins Wanken geriet, blieb das leere Blatt geduldig. Es hat gewartet, ohne Erwartungen, ohne Urteil. Auf dem Papier durfte alles existieren: Zweifel, Wut, Trauer, Angst, Hoffnung. Nichts musste bewertet, erklärt oder sofort gelöst werden. Allein das Aufschreiben brachte Erleichterung. Es war, als würde ich die Last aus meinem Kopf in meine Hände fließen lassen – und von dort in Worte, die sie tragen konnten.
Ein Moment der Ruhe und der Freiheit
Oft wusste ich zu Beginn gar nicht genau, was mich eigentlich beschäftigte. Erst im Schreiben wurde sichtbar, was zwischen den Zeilen verborgen lag. Gefühle, die zuvor diffus und überwältigend wirkten, bekamen eine Form. Gedanken, die sich im Kreis drehten, fanden plötzlich eine Richtung. Indem ich sie in Sätze fasste, entstanden Klarheit und Struktur. Was vorher wie ein unentwirrbares Knäuel erschien, ließ sich langsam entknoten.
Nach wie vor praktiziere ich das Schreiben regelmäßig. Nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch im Alltag. Es ist zu einem festen Bestandteil meiner Selbstfürsorge geworden. Manchmal nehme ich mir bewusst Zeit dafür, manchmal entsteht es spontan – in einem Notizbuch, auf dem Laptop oder in einer kurzen Nachricht an mich selbst. Ich schreibe mir Dinge von der Seele, die ich niemandem sagen kann oder will. Ich halte Momente fest, die mich berühren. Ich reflektiere Begegnungen, Entscheidungen, Veränderungen.
Kreatives Schreiben bedeutet für mich Freiheit. Ich darf übertreiben, träumen, hinterfragen, neu denken. Ich kann meine Perspektive wechseln, mir selbst in einer Geschichte begegnen oder meinem Schmerz eine Stimme geben, die außerhalb von mir existiert. Manchmal entstehen ganze Texte, manchmal nur einzelne Worte oder Fragmente – doch jedes davon ist ein Ausdruck meines Inneren und ein Zeichen dafür, dass ich mir selbst Aufmerksamkeit schenke.
Ein kleiner Schritt Heilung
Heilung geschieht nicht immer laut und spektakulär. Oft geschieht sie leise, in einem Tagebucheintrag, in einem Gedicht, in einem Satz, der plötzlich alles auf den Punkt bringt. Schreiben schafft Abstand zu überwältigenden Gefühlen und zugleich Nähe zu mir selbst. Es ist ein Dialog mit meinem Innersten, ein achtsames Hinsehen statt ein Wegdrücken.
Wenn ich schreibe, übernehme ich Verantwortung für meine Gedankenwelt. Ich sortiere, ich reflektiere, ich erkenne Muster. Und manchmal erkenne ich auch meine eigene Stärke – schwarz auf weiß. Das Geschriebene wird zu einem Zeugnis meines Weges. Es erinnert mich daran, was ich bereits überstanden habe und wie ich gewachsen bin.
„Wenn Worte heilen“ ist für mich deshalb keine bloße Metapher, sondern eine gelebte Erfahrung. Jedes geschriebene Wort ist ein kleiner Schritt hin zu mehr Klarheit, mehr Selbstverständnis und mehr Mitgefühl – vor allem mit mir selbst. Schreiben ist für mich kein Luxus, sondern ein Anker. Ein sicherer Ort. Und immer wieder der Anfang von innerer Heilung.




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